Neugründungsantrag 1946

Datum: 3. Februar 1946
Verfasser: Otto Salchert, Fritz Lehmann, August Krome, Heinrich Richey und Hermann Glinnemann
Empfänger: Stadtamt für Leibesübungen der Stadt Braunschweig

 

Mit diesem Antrag baten ehemalige Mitglieder des VfV um die Genehmigung zur Neugründung des VfV nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Antragsteller schildern darin die Geschichte und Bedeutung des früheren Vereins und begründen, weshalb sie den VfV wieder ins Leben rufen wollten. Die Darstellung gibt die rückblickende Sicht der Antragsteller im Jahr 1946 wieder.

 

Eigene Transkription:

 

An das 

Stadtamt für Leibesübungen

 – Sportausschuss – 

Braunschweig

 

Die Unterzeichneten bitten um Ausstellung einer Genehmigung zur Neugründung des ehemaligen Boxsport- und Schwerathletik-Vereines VFV (Verein für Volkssport), der bei der Machtübernahme der Nazis 1933 sofort verboten wurde.

 

Begründung:

Der VfV, der als demokratischer Sportverein dem Arbeitersportkartell angeschlossen war, bestand als der traditionsreichste und vitalste Körper des Boxsports und der Schwerathletik. Er versinnbildlichte damals die kulturelle und gesunde Erziehung einer Sportgemeinschaft in einer demokratischen Regierung, hatte die größte Zahl der Anhänger des Boxsportes und der Schwerathletik im Lande Braunschweig hinter sich. In seinen Leistungen verkörperte er die Verbrüderung im Sport und Spiel schon dadurch, dass faire und sportliche auf höchster Stufe dastehende Wettkämpfe hier in Deutschland sowie in und mit allen benachbarten Ländern stattfanden. Es wird in diesem Zusammenhang an die Kämpfe mit Russland, England, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Polen, Schweiz, Holland, Norwegen, Dänemark, Lettland, Finnland, Italien und Ungarn erinnert.

 

Das Nazisystem vernichtete die durch Sport und Wettkampf gegenseitig freundschaftlich zuegeneigten Bande eines gesunden Sportgeistes.

 

Ehemalige Mitglieder des VfV äußerten den Wunsch, den alten Verein wieder auferstehen zu lassen. Es entstand dies aus einem gesunden Sportgedanken, die damals in einer festen Verbundenheit zwischen allen Ländern den wirklichen Sportsinn erkennen ließen. Die Auferstehung des alten VfV bedeutet, dass die erneute sportliche Bejahung in der bestärkten Autorität eines schon lange und immer bestandenen Sportwillens von durch längere Zeit unterdrückten Spoteiferern finden wird.

 

Dieser Antrag trägt somit den Stempel einer akuten nicht zu übersehenden Forderung, in dem noch anzuführen ist, dass ehemalige Mitglieder, die als treue Anhänger ihren Sportgeist frei trugen, als freie Menschen eines freinen Landes in ihrer Meinung terrorisiert wurden, zum Nazisystem geknüppelt werden sollten und zuletzt bei Standhaftigkeit es mit ihrem Leben bezahlen mussten. Als Beispiel wird nur der ehemalige Sportgenosse des VfV, Reinhold Liesegang, Angehöriger des Vorstandes angeführt.

 

Wir als ehemalige aktive Mitglieder des VFV, bringen hiermit eine Bitte zum Ausdruck, die zum Willen eines neu erstandenen demokratischen Staates werden muss, der neben dem Symbol des Triumphes nach doch zuletzt doch erstandenem Sieg die Genugtuung einer neuen sportlichen Lebensbejahung nicht durch die Herbeifrunfung eines alten, rechten, natürlichen athletischen und boxerischen Sportgeistes. Er gibt auch nicht die Gewähr dafür, sondern zeigt auch die sinnbildliche Ueberhebung trotz allen Terrors und aller Gealttätigkeit eines Nazisystems. Es bedeutet die Bestärkung eines aus der Ohnamcht elösten Sportgemeinschaft.

 

Wir bitte, aus den eben angeführten Gründen dem Antrag beschleunigt stattzugeben.

 

Otto Salchert

Fritz Lehman

August Krome

Heinrich Richey

Hermann Glinnemann